Hier finden Sie Informationen zu folgenden spartenübergreifenden Kunstprojekten:
interdisziplinärer Poesie-Stammtisch
Poesie-Rezitation & improvisierte Musik
die Wortwuselwelt im Internet (für Kinder & Erwachsene)
interaktive Installation mit Haiku-Vögeln
interdisziplinärer Poesie-Stammtisch
Seit September 2010 treffen wir uns ca. alle 6 Wochen im Poesie-Laden "wortwedding" - Kunstschaffende und Kunstvermittelnde verschiedener Richtungen und Sparten, die Lust haben, sich auszutauschen, einander kennenzulernen und die neugierig sind auf Möglichkeiten der interdisziplinären Entstehung und Darbietung von Poesie im weiteren Sinne. Manche kommen regelmäßig, andere ab und zu; und fast immer schauen welche zum ersten Mal vorbei: was wir da wohl so treiben. Neu Hinzukommende sind also herzlich willkommen!
Bereits bei den ersten Treffen kamen wir überein, auch vor Ort kreativ werden zu wollen und begannen, in Teilen des Abends miteinander zu improvisieren. Ausgehend von mitgebrachten Inspirationsquellen oder Spielanleitungen und / oder in Reaktion aufeinander wird musiziert, gezeichnet, geschrieben, gesprochen, rezitiert, gespielt, gefilmt oder anderweitig (aktiv / passiv) teilgenommen und ausprobiert. Darüber hinaus geben wir uns Raum, um eigene Arbeiten, Projekte oder Ideen vorzustellen. So wie jedes Treffen seinen eigenen Charakter zeitigt, verändert sich hin und wieder auch die Struktur der Stammtisch-Treffen. Das Ganze ist ein offener Prozess. Die Anwesenden bewirken gemeinsam, was passiert oder nicht passiert.
Ankündigung des jeweils nächsten Treffens: unter Termine
Am Samstag, den 12. März 2011 haben wir im Rahmen des Festivals "Poesiefrühling" ein Treffen des Stammtischs erstmals öffentlich abgehalten, und zwar in der Vorhalle der Bibliothek am Luisenbad: ein bereicherndes Experiment! Einen kleinen Zusammenschnitt dieser Aktion hat Sushma U. Gütter aus Videomaterial ihrer Live-Cam-Teilnahme erstellt: zu sehen auf vimeo (die folgenden Bilder sind Filmstills; © Sushma U. Gütter)

Ein zweites öffentliches Treffen des Poesie-Stammtischs folgte unter dem Titel "Das Poetische Wohnzimmer / Open Poetry Space" am 24. September 2011 im Rahmen der experimentdays in Berlin. Veranstaltungsort war das Sonnendeck des Radialsystems. Der Ankündigungstext ist im folgenden dokumentiert:
[Der interdisziplinäre Poesie-Stammtisch lädt ein, mit Klängen, Worten, Bildern und Bewegungen miteinander ins "Gespräch" zu kommen. Aus Lust und Laune entsteht ein kreativer, gemeinschaftlicher Raum, ein offener Prozess des Ausprobierens, dem jede/r beiwohnen und zu dem alle, die möchten, etwas beitragen können: freie Improvisation, Wortspielereien, performative Einlagen und Spielideen zum Themenfeld der experimentdays (gemeinschaftliches Wohnen, sozial-ökologische Stadtentwicklung, kreative Selbstorganisation). - Heute schon poetisiert?
Poesie kann konstruktiv und subversiv sein, verzaubern und entzaubern, kann neue Blicke aufs Gewohnte ermöglichen und schöpferische Potenziale im sozialen Leben spürbar werden lassen. Poesie, als weiter Begriff, ist eine Qualität, die in jedem künstlerischen Bereich ebenso wie im täglichen Leben wirksam sein und zur Geltung kommen kann. Das Private kann poetisch sein, das Politische nicht weniger! -- Im Poetischen Wohnzimmer wird Poesie als eine Art Grundschwingung erfahrbar, als eine Ebene der Wahrnehmung, des Ausdrucks und der Auseinandersetzung mit sich, mit Anderen sowie mit den Zumutungen, Verwunderungen und Spielräumen der näheren und weiteren Welt. -- Das Poetische Wohnzimmer stellt selbst eine exemplarische Gemeinschaftssituation dar, das Wohnzimmer einer imaginären WG, in der kreative Selbstorganisation sozusagen zum guten Ton gehört -- Wir schaffen miteinander und füreinander unsere eigene Bühne, reagieren aufeinander, inspirieren, bremsen und beflügeln uns gegenseitig. Der Verlauf ist weitgehend offen. Die Anwesenden bewirken gemeinsam, was passiert oder nicht passiert. Wer da ist, ist dabei - und doch zu nichts verpflichtet. Neugier ist bereits ein Beitrag. Ebenso willkommen sind Menschen, die sich mit Instrumenten, Texten, gespitzten Stiften oder anderen poetisierenden Medien beteiligen möchten.]
Poesie-Rezitation & improvisierte Musik
Im März 2011 hatte ich gleich zwei Mal die Gelegenheit, an einem Wechsel- und Zusammenspiel von improvisierter Musik und Lyrik-Rezitation mitzuwirken. Beide Veranstaltungen fanden im Rahmen des Festivals "Poesiefrühling 2011" statt:
SAROTTI INSTANT MEETS POETRY: Für den 14.3. lud das Improvisationsensemble Sarotti Instant drei LyrikerInnen - Julia Trompeter, Lars-Arvid Brischke und mich - zu einem gemeinsamen Auftritt im "exploratorium berlin" ein, mit einem Programm aus verschiedenen Begegnungsweisen von Poesie-Rezitation und improvisierter Musik, die wir während mancher Proben zuvor (mehr oder weniger) getestet hatten. Auch wir LyrikerInnen waren gefordert, mit unseren Einsätzen und Rezitationsweisen auf die Musik zu reagieren und an Klangspielen mitzuwirken. Eine Herausforderung, die (wie ich vielfach mitbekommen habe: nicht nur) mir Freude gemacht und meinen Horizont erweitert hat; und nicht zuletzt waren auch die Resonanzen aus dem Publikum eine Bestärkung darin, so etwas bei Gelegenheit erneut zu wagen.
Von Sarotti Instant nahmen teil: Eglof Berger (Elektronik), Miriam Bondy (Stimme, Perkussion), Wulf Essen (Flöte, Stimme), Ricarda Gnauck (Klavier), Claudia Hartmann (Stimme, Perkussion), Thomas Kumlehn (Flöte), Matthias Schwabe (Viola, Flöte, Klavier & Ensemble-Leitung) und Elisabeth Zündel (Stimme).
HAIKU & FLÖTE: Am 11.3. hatten Thomas Kumlehn (Flöte, Stimme) und ich (Haiku-Rezitation) unsere Bühnenpremiere als Duo mit einer interaktiven Improvisation, bei der ich mit der spontanen Auswahl und Rezitation eigener Haikus auf sein improvisiertes Spiel reagierte, mit dem er auf meine Haikus reagierte... Unser Auftritt war Teil eines von Nicola Caroli organisierten Abends mit "Poetry Acts" von verschiedenen Sprach- und PerformancekünstlerInnen im "wortwedding". Thomas Kumlehn und ich haben vor, unser Zusammenspiel fortzusetzen.
Gemeinsam mit Julia Trompeter und Xaver Römer, die seit einer Weile mit wunderbaren Sprechduetten unterwegs sind, haben Lars-Arvid Brischke und ich um den Jahreswechsel 2010 / 2011 herum begonnen, Sprechquartette zu entwickeln und einzustudieren. Zwei sind bislang fertig: "Die We Be Gung", eine von Xaver Römer komponierte Etüde über mein Gedicht "wer will das schon", und das von mir begonnene und gemeinsam weitergeschriebene Sprechstück "Sicherheitshinweis". Angelehnt an die Form des Sprechduetts handelt es sich hierbei um chorische Sprechtexte im Spannungsfeld von Spoken-Word-Dichtung und notierter Vokalmusik. Das Gravitationszentrum ist der vierstimmige Vortrag, die Bühnen-Performance. Zum erstem Mal präsentiert haben wir beide Sprechquartette am 18.3.2011 im ORI (Berlin-Neukölln) im Rahmen eines gemeinsamen Programms, das schwerpunktmäßig aus Duo-, einigen Solo- und jenen Viererauftritten bestand - jenen Experimenten, die wir danach als weitgehend gelungen und auf jeden Fall als fortsetzungswürdig einstufen konnten.

(Ausschnitt aus der 183 Takte umfassenden Partitur von "Die We Be Gung", © Xaver Römer)
Näheres zu den Sprechduetten von Julia Trompeter und Xaver Römer: auf deren Seite
Bilder / Klänge / Gedichte - die Wortwuselwelt im Internet
Im Sommer 2010 eröffneten Brigitte Krämer (Klanggestaltung, Programmierung) und Nina Pagalies (Grafik, Illustration) eine "Wortwuselwelt" im Internet, die Kinder von 6 bis 11 Jahren, aber auch ältere Kinder und Erwachsene einlädt, mit Bildern, Klängen und Worten zu spielen und Gedichte zu entdecken sowie interaktiv zu erkunden. Bilder, Figuren, Sounds, Stimmen, Gedichte, Worte und ihre Bestandteile sowie verschiedenste Spielformen wirken hier eng zusammen, beleuchten und bereichern sich gegenseitig. Nutzer/innen können sich mit Wort-, Bild- und Klangkreationen ausprobieren und eigene Akzente setzen.
Kurz vor dem Start des Projekts fragten mich die beiden Wortwusel-Gestalterinnen, ob ich Lust hätte, mich mit Gedichten und Gedanken zu beteiligen - und bald schon war ich von ihrer Begeisterung angesteckt. Seitdem gehört das Wortwusel irgendwie zu meinem Alltag, und ich freue mich jedes Mal, wenn etwas Neues auf die Seite kommt.
So geschah es denn, dass ich das erste Auftragsgedicht meines Lebens verfasste. Es heißt "Luftmusik" und korrespondiert mit der "Luftmusikmaschine". Wer diese betätigt, kann noch auf zwei weitere Gedichte von mir stoßen, sie lesen und hören - und es gibt jeweils ein Spiel dazu. Mein Gedicht "Vielfältiger Vorwurf" findet sich zudem mit einer wundervollen Falter-Show kombiniert.
Im Januar 2011 kam das Haiku-Modul hinzu, in dem fünf meiner Haiku-Vogelporträts (zu diesen Näheres: unter "Bücher") in schön-schräge Bildwelten eingebunden sind. Dazu erklingen die entsprechenden Vogelgesänge, deren Zuordnung in einem separaten Spiel erprobt werden kann.
Am 22. Juni 2011 wurde die Wortwuselwelt mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Gelobt wurde von der Jury u. a. der "neue Dreh vom spielerischen Umgang mit Kunst und Sprache", der "wie ein Trip der grenzenlosen Möglichkeiten der Gestaltung im Internet" wirke.
Mensch sehe, höre, lese und betätige sich selbst! ---) www.wortwusel.net
Falterbild: Nina Pagalies / wortwusel
interaktive
Installation mit Haiku-Vögeln 
Für das Festival "Printemps des Poètes, Berlin 2010" (8. - 21. März) hatte die Künstlerin Cristina Sahuquillo Papiervögel, versehen mit jeweils einem meiner Haiku-Vogelporträts, vorgefertigt, ausgelegt und in der Fenstervitrine des Festival-Wohnzimmers "wortwedding" zwei Drähte aufgespannt. Bei verschiedenen Gelegenheiten während der Laufzeit des Festivals haben dann Besucher/innen und Teilnehmer/innen Haiku-Vögel fertig gefaltet und auf bzw. an den Drähten platziert.
Näheres zu den Haiku-Vogelporträts unter "Bücher"
Leseprobe der Haiku-Vogelporträts unter "Lyrik"
Näheres zu Cristina Sahuquillo: auf ihrer Website
Fotos: Gilles Roudières


Fotos: Catherine Launay

Am 13. Juli 2008 wurden im Rahmen des poesiefestivals berlin auf dem Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg über 20 Wandgemälde präsentiert, die Graffiti-Künstler aus Rio de Janeiro, Barcelona und Berlin in den Tagen zuvor an die Wand eines ehemaligen Kaufhofgebäudes gesprüht hatten. Als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle ihrer Arbeit hatte ihnen dabei jeweils ein zeitgenössisches Gedicht gedient, welches dann per Hand neben das entsprechende Bild geschrieben wurde. Den Anstoß zu dem Projekt lieferten die beteiligten brasilianischen Künstler/innen, die Ähnliches schon in Rio de Janeiro veranstaltet hatten.
Die Sprüher/innen: Ment, Bragga und Machintal aus Rio de Janeiro, Ovni, Kafre und Tom14Meritxell aus Barcelona sowie Natalie, Tame, Kobe, Shine, Ator, Ikon, Monstar, Saimen, Tokyoe, Fadaism, Aros, Nema One, Lake, Stör, Atem, Nelson und Optx
Die Dichter/innen: Claudia Roquette-Pinto und Renato Rezende aus Rio de Janeiro, Victor Sunyol und Cucurella aus Spanien sowie Christian Röse, Nadja Küchenmeister, Timo Berger, Adrijana Bohocky, Ann Cotten, Greta Granderath, Björn Kuhligk, Ricardo Domeneck, Bas Böttcher, Crauss, Alistair Noon, Angela Sanmann, Jan Wagner, Philip Maroldt, Tzveta Sofronieva, Monika Rinck und Rainer Stolz aus Berlin
Mein Gedicht "Gleichlaufschwankungen" hatte sich Optx ausgesucht, und das - so weit Fotos es wiedergeben können - ist dabei entstanden:

Fotos: Lars-Arvid Brischke

Fotos: Lars-Arvid Brischke
GleichlaufschwankungenWer sich treiben lässt, landet
mit der Hand im Portemonnaie.
"Haltung", ruft ein Betrunkener.
So lang ich den Müßiggang
auch probe, es stellt sich
kein Laster ein
nur die Frisur von früher.
Fahrgäste essen ihr Gebäck.
Punks fotografieren sich.
Das Gleichlaufschwanken:
auch als Soundtrack leiert es.
Straßenverkäufer seufzen
Kopfschüttelmaschinen an.
Das Schlimme an neuen Leuten:
sie
werden nie alt. "Wir sind
eine von diesen Megacitys." -
na dann ...
Auf drei Veranstaltungsebenen
lacht man um sein Leben.
Spatzen spielen Fallgesetz.
Ich folge einer Erdbeerspur
und lande im Markt.
Ich singe zur Tarnung.
aus: "Während mich die Stadt erfindet"
© Elfenbein Verlag 2007
Optx (re) & Stolz (li)

Fotos: Optx
